I. Allgemeines.

Die Menschheit setzt sich bekanntlich aus zwei Geschlechtern zusammen, dem männlichen und dem weiblichen. Durch zahlreiche Eigenschaften sowohl körperlicher als geistiger Natur sind sie von einander geschieden. In körperlicher Beziehung ist es hauptsächlich die Bildung der Genitalorgane, die beim Weibe anders sich verhält, als beim Manne, und in geistiger Beziehung sind es zahlreiche Eigenschaften, die die Trennung vervollständigen. Die Beschäftigung des Mannes ist eine andere, als die des Weibes: jenen drängt es mehr, gewissen Berufsarten sich zuzuwenden als das Weib, dieses hingegen übertrifft den Mann wiederum durch zahlreiche andere Fertigkeiten, so durch die Geschicklichkeit, mit der es Handarbeiten ausführt. Das Weib liebt mehr den äusseren Schmuck und ist in dieser Hinsicht bei weitem eitler als der Mann. Von allen seelischen Eigenschaften aber, die die Geschlechter von einander unterscheiden, nimmt nicht die letzte Stellung der Geschlechtstrieb ein. Es zeigt sich dieser darin, dass während eines grossen Abschnittes seines Lebens der Mensch einen inneren Trieb empfindet, mit dem anderen Geschlecht in körperliche Berührung zu kommen, die in dem Geschlechtsakte ihren Abschluss findet. Der Geschlechtstrieb drängt also den Mann zum Weibe, das Weib aber zum Manne. Das Erwachen des Geschlechtstriebes kann zu verschiedenen Zeiten stattfinden. Unter normalen Verhältnissen soll er vor Beginn der Pubertät noch nicht bestehen.

Der Geschlechtstrieb zeigt sich nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Thiere; was aber das geschlechtliche Leben der Menschen von dem der Thiere unterscheidet, ist das Hinzukommen tieferer und innigerer Beziehungen zwischen Mann und Weib, die ihren Höhepunkt in der Liebe erreichen. Zwar finden

Moll, Contr. Sexualempfindung. l

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2 Geschlechtstrieb und Liebe.

sich auch gelegentlich zwischen Männchen und Weibchen beim Thier innigere Bande, als diejenigen, welche gelegentlicher geschlechtlicher Verkehr hervorbringt; den Höhepunkt erreichen aber jene zweifellos beim Menschen.

Freilich scheint auch der Mensch nicht zu allen Zeiten und bei allen Völkern die wahre Liebe erfahren zu haben. Vielmehr ist erst mit dem Fortschritt der Cultur, wie Carus 1) ausführt, und mit dem Beginn einer ruhigen Lebensweise der Geschlechtstrieb allmälig in eine Geschlechtsneigung und diese wiederum in die Liebe umgewandelt worden. Vom ideologischen Standpunkt aus betrachtet Fichte die Trennung der Geschlechter als Mittel zur Erhaltung der Gattung; wir werden demgemäss auch im Geschlechtstriebe als Zweck den erkennen, die Fortpflanzung des Menschen zu sichern. Dem Trieb der Liebe vertraute der Himmel die Schöpfung der Erde an, sagt Jean Paul.

Der Geschlechtstrieb und die Liebe erwachen unter normalen Umständen erst nach Eintritt der Pubertät, doch zeigen sich gewisse Regungen mitunter schon in der Kindheit. Nach Ramdohr 2) zeigt schon der kleine Knabe oft Andeutungen von Liebe zu weiblichen Personen, wobei sogar Eifersucht und der Wunsch diese Person ganz zu besitzen eine wesentliche Rolle spiele. Uebrigens werden uns in der That öfter Mittheilungen von Männern gemacht, die bereits als Kinder sich in weibliche Personen verliebten — eine Erscheinung, die sogar für ein sicheres Kennzeichen des Genies erklärt worden ist. Als Beispiele so frühzeitiger Liebe seien genannt Dante, der sich im neunten, Canova, der angeblich schon im fünften und der Dichter Byron, der sich im achten Lebensjahre in Mary Duff verliebte.3)

Die Verwechselung der Liebe mit dem Geschlechtstriebe ist ein mitunter vorkommendes Versehen. Dieser beansprucht nur die subjective Befriedigung des Triebes durch den mit Wollustgefühl einhergehenden Coitus. Nie dürfen wir, wenn nur dies vorliegt, von Liebe sprechen; sie ist nur dann vorhanden, wenn auch die Seele des Liebenden zu der der geliebten Person sich hingezogen fühlt, wenn eine innere Verwandtschaft zwischen den Seelen besteht. Sie zeigt sich in einem beide Personen fesselnden Band,

1) Friedrich. August Carus Nachgelassene Werke. Leipzig 1808—1810.
2) Friedr. Wilh. Basil. von Ramdohr, Venus Urania. Leipzig 1798, 3 Theile. Auf dies Werk ist im Laufe der Arbeit sehr oft Bezug genommen.
3) Karl Elze, Lord Byron, III. Aufl. Berlin 1886. S. 27.


Geschlechtstrieb und Liebe. 3

das durchaus von der Freundschaft getrennt sein muss. Die

innere Seelenverwandtschaft führt sehr bald auch zu der Sehnsucht nach dem sinnlichen Vergnügen oder dem Geschlechtsacte mit der geliebten Person; doch kann die seelische Zuneigung dem Geschlechtstriebe längere Zeit vorausgehen, und es kann auch die Liebe später als der Geschlechtstrieb auftreten. Ob, ohne dass ein solcher sich bemerkbar macht, eine Liebe dauernd bestehen kann, wie von der später zu besprechenden platonischen Liebe behauptet wird, ist noch zweifelhaft. Vielleicht wird diese Frage auch nie für alle Theile befriedigend beantwortet werden.

Jedenfalls hat die Liebe eine sinnliche und eine psychische Seite. Wenn es auch beim jungen Mann und beim jungen Mädchen in der Entwickelungszeit eine Periode giebt, wo gewisse Personen in dem Anschauenden nur eine seelische Liebe erregen, so ist dies doch nur eine Zeit lang der Fall, und der zeitweise nicht vorhandene oder unbewusste sinnliche Trieb tritt schliesslich mächtig hervor. Karl Friedrich Heusinger sagt im „Grundriss der physischen und psychischen Anthropologie": „Es ist ganz sicher, dass das unverdorbene Weib, welches sehnend in die kräftigen Arme des verlangenden Mannes sinkt, sich durchaus keines Geschlechtstriebes bewusst ist, so sehr sie sich auch gerade nur zu diesem Manne hingezogen fühlt; dem überhaupt viel sinnlicheren Manne wird auch dieser Trieb weniger verborgen bleiben, allein der darf nicht sagen, dass er rein und innig liebe, der sich seiner sinnlichen Triebe bewusst ist." Vorländer schliesst sich diesen Ausführungen an; ich glaube aber, dass dieses vollständig Unbewusste des sinnlichen Triebes nur eine Zeit lang vorhanden ist, wenn man überhaupt davon sprechen kann.

Was die Liebe, abgesehen von ihrer seelischen Seite, von dem rein sinnlichen Triebe trennt, ist besonders der Umstand, dass sie mehr einem Individuum des andern Geschlechts, als dem Geschlecht im allgemeinen gilt. Infolge dessen kommt es dahin, dass das innige Band der Liebe sich zwischen zwei Personen knüpft, vorausgesetzt, dass die Liebe der einen von der andern erwiedert wird. In diesem Falle fühlen sich dann beide aneinander gefesselt. Die Erwiederung der Liebe ist, wenn diese glücklich sein soll, eine unentbehrliche Bedingung, und es behauptet F. A. Carus mit Recht, dass bei den civilisirten Personen die Liebe zur Leidenschaft wird geliebt zu werden, und dass dieser Wunsch , den wahrhaft Liebenden beherrscht.

Die geschlechtliche Liebe ist vollkommen zu trennen von

l*


4 Hetero- und homosexualer Trieb.

allen anderen Banden, die Menschen unter einander fesseln, sie ist etwas anderes als die Freundschaft, um nur diese zu erwähnen. Bei der Freundschaft spielen die geschlechtlichen Functionen gar keine Rolle, während sie bei der Liebe deutlich betheiligt sind, wie wir oben gesehen haben. Worauf der Geschlechtstrieb und die Liebe beruht, ist schwer zu sagen: dass die Anlage beider angeboren ist, kann nicht bezweifelt werden; wie viel aber zu ihrer individuellen Entwickelung äusserliche Eindrücke und zufällige Gelegenheiten beitragen, ist schwer zu schätzen.

Ich brauche wohl nicht über die Bedeutung des Geschlechtstriebes zu sprechen; v. Krafft-Ebing hat dies treffend in dem ersten Abschnitt seiner Psychopathia sexualis gethan, er hat gezeigt, welchen Einfluss das sexuelle Leben auf die Religion, welchen Einfluss es auf die Kunst und Poesie gehabt hat und noch täglich hat. Ohne sexuelle Grundlage giebt es nach ihm keine wahre Kunstschöpfung, und mit Recht weist er darauf hin, dass so häufig die grossen Dichter und Künstler sinnliche Naturen sind. Bekannt ist auch, welchen Einfluss die Liebe auf den Charakter des Menschen ausübt. Die veredelnde Wirkung jener ist vielfach beschrieben, sie ist allgemein anerkannt; man findet darüber Mittheilungen in allen Büchern, die von der Liebe handeln. Selbstlosigkeit, Aufopferungsfähigkeit und andere Tugenden werden nicht am wenigsten durch die Liebe gefördert.

Während nun unter normalen Verhältnissen der Mann durch seinen Geschlechtstrieb und durch die Liebe sich zum Weibe hingezogen fühlt, giebt es eine grosse Kategorie von Männern, die eine andere Neigung besitzen, der Trieb zieht sie zum Manne hin, sie zeigen, wie man sagt, gleichgeschlechtlichen oder homosexualen Trieb im Gegensatz zu den normal fühlenden Männern mit andersgeschlechtlichem oder heterosexualem Triebe. Westphal 1) hat für jene Erscheinung auch den Ausdruck „conträre Sexualempfindung" eingeführt, wobei er allerdings das Gebiet noch weiter ausdehnte. Er wollte mit jenem Ausdruck sagen, dass es sich hierbei nicht immer gleichzeitig um den Geschlechtstrieb als solchen handelt, der eine verkehrte Richtung gewinnt, sondern dass es sich um die Empfindung handelt, dem ganzen inneren Wesen nach dem eigenen Geschlecht entfremdet zu sein. Nach dieser Erklärung von Westphal umfasst also die conträre Sexualempfindung auch Fälle, bei denen zwar der Geschlechtstrieb normal,

1) Archiv für Psychiatrie II Bd. S. 73.


Terminologie. 5

sonst aber das betreffende Individuum gewisse dem andern Geschlecht zukommende Neigungen zeigt. Ich komme hierauf noch später zurück.

Der Geschlechtstrieb, der den Mann zum Manne führt, muss als eine Perversion in v. Krafft-Ebings Sinne bezeichnet werden, Perversion nennt dieser Autor jede Aeusserung des Geschlechtstriebes, die nicht dem Zwecke der Natur, d. h. der Fortpflanzung dient; v. Krafft-Ebing macht auch auf eine strenge Trennung der Begriffe Perversion und Perversität aufmerksam. Man spricht von einer Perversion, wenn der Geschlechtstrieb ein perverser ist, während man von Perversität bei einer perversen Handlung redet, unabhängig davon, ob ein perverser Trieb oder eine andere Veranlassung, z. B. eine verbrecherische Absicht sie hervorrief. Es ist ein grosses Verdienst von v. Krafft-Ebing, dass er scharf diese beiden Begriffe von einander getrennt hat, Perversion ist ein Trieb, der vom Willen unabhängig ist, und für den niemand verantwortlich gemacht werden kann, wenigstens nicht in den Augen eines unparteiischen Beurtheilers, während die Perversität, die sich in der Handlung zeigt, oft dem Handelnden zugerechnet werden muss. Bis zu welchem Grade die Zusammenwerfung der beiden Begriffe die Beurtheilung der conträren Sexualempfindung erschwerte, zeigt z. B. die Aeusserung von Chevalier1,) dass die Perversion bei der erworbenen conträren Sexualempfindung von dem Willen des Individuums abhänge. Nichts kann falscher sein als dies, wie eben auseinandergesetzt. Man hört öfter zur Bezeichnung von Männern mit homosexualem Triebe den Ausdruck Päderasten; indessen will ich ihn nicht allgemein gebrauchen, weil er wissenschaftlich nur eine besondere Gruppe von solchen Leuten charakterisirt, nämlich diejenigen, welche membrum in anum immittunt, ebenso bezeichnet Päderastie nur eine bestimmte Art des Geschlechtsactes zwischen Männern, nämlich immissio penis in anum. Wie so häufig, so hat allmälig auch hier das Wort einen ganz andern Sinn angenommen als früher. Päderast kommt her von παιδος εραστης und heisst der Liebhaber des Knaben, womit im alten Griechenland ganz allgemein, ob es sich um Geschlechtsacte handelte oder nicht, die Liebhaber von Knaben und Jünglingen bezeichnet wurden. Die Unzucht zwischen zwei Mitgliedern des männlichen Geschlechts wird auch als commas-

l) Julien Chevalier, De l`inversion de l'mstinct sexuel au point de vue médico-legale. Paris 1885.


6 Terminologie.

culatio bezeichnet. Ein sehr häufiger Name für die Männer mit homosexualem Triebe findet sich in der neueren Literatur, nämlich das Wort Urning. Ich werde, da es von v. Krafft-Ebing und andern angenommen ist, der Kürze halber es gleichfalls brauchen und werde im allgemeinen damit alle Männer mit homosexualem Geschlechtstriebe benennen.

Das Wort Urning wurde durch Ulrichs, auf den ich später zurückkommen werde, eingeführt. Leider ist mir die Schrift, in der er zuerst das Wort brauchte, nicht zugänglich gewesen. Aus einer späteren Arbeit 1) desselben Autors scheint mir aber hervorzugehen, dass der Name abgeleitet ist von Uranos, entsprechend einer Stelle in Platos Gastmahl, Cap. 8 und 9. Die Stelle lautet deutsch etwa so:

„Keine Aphrodite ohne Eros. Es giebt aber der Göttinnen zwei, die ältere Aphrodite ist ohne Mutter geworden, sie ist des Uranos Tochter, und wir geben ihr deshalb den Beinamen Urania, die andere jüngere Aphrodite ist des Zeus und der Dione Tochter, wir nennen sie Pandemos. Der Eros der ersteren muss also Uranos, der der anderen Pandemos genannt werden.........

Die Liebe des Eros Pandemos ist es, mit der die gewöhnlichen Menschen lieben, der Eros von der Urania hingegen hat kein weibliches Theil erwählt, sondern nur männliches, das ist die Liebe zu Knaben. Deshalb wenden sich die von dieser Liebe Begeisterten dem männlichen Geschlecht zu."

Dies dürfte die Stelle sein, der das Wort Urning, in dem offenbar der Stamm von Uranos sich findet, seine Entstehung verdankt. Die Erscheinung des homosexuellen Geschlechtstriebes von Männern werden wir dementsprechend und auch nach Ulrichs Vorschlag als Uranismus bezeichnen.

Der Urning kann gegenüber dem schönsten Weibe keine sexuale Libido empfinden, wenn er auch dessen Schönheit anerkennt. Es ist offenbar Schönheit, die den Geschlechtstrieb erweckt, etwas ganz anderes, als die Schönheit vom ästhetischen Standpunkte. Wenn der Urning auch mitunter mit Vergnügen ein schönes Weib betrachtet, so können wir, wenn nicht ein Reflex auf seine Geschlechtsorgane sich zeigt, hier nicht von einem Geschlechtsgefühl sprechen.

Wichtig ist es und es sei hier betont: charakteristisch ist es für den Urning, dass er äusserlich Mann ist, dass seine Genitalien

1) Karl Heinrich Ulrichs, Prometheus, Leipzig 1870.


Homosexualer Trieb. 7

durchaus normal sind, dass nicht nur der Penis, sondern auch die Hoden gewöhnliche Gestalt und Functionen zeigen.

Dass es sich bei der Zuneigung, die Urninge zu Männern haben, um den Geschlechtstrieb handelt, der unter normalen Verhältnissen den Mann zum Weibe führt, dass einfache Freundschaft ausgeschlossen ist, geht aus verschiedenen Gründen hervor. Einmal nämlich spielen die Geschlechtsorgane bei der Neigung der Urninge zu Männern eine grosse Rolle; nicht nur reizen den Urning hauptsächlich die Geschlechtsorgane des andern Mannes, sondern er fühlt in sich ganz deutlich den Reflex, den die Vorstellung des andern Mannes auf seine eigenen Geschlechtsorgane ausübt. Irgend ein sexualer Act in Berührung mit dem Manne ist das Ziel des Urnings.

Ist schon hierdurch die ganze Neigung als eine Form des Geschlechtstriebes zu betrachten, so geht dieser Charakter auch aus anderen Erscheinungen hervor, besonders aus der Eifersucht, die die Liebe begleitet. Niemals findet sich in der wahren Freundschaft eine Eifersucht, niemals kann das Band zweier Freunde ein solches sein, dass der Freund mit misstrauischen Augen einen andern betrachtet, der zu dem Freunde sich hingezogen fühlt. Ganz anders bei der Liebe der Männer zu einander; hier herrscht die Eifersucht vor. Ganz wie bei der Liebe vom Manne zum Weibe herrscht der Wunsch und das Bestreben, die geliebte Person allein zu besitzen und misstrauisch jede dritte Person zu betrachten, die etwa das geliebte Wesen besitzen möchte.

Wenn nun ein Mann zum Manne sich in sexualer Beziehung hingezogen fühlt, so kann dies in verschiedener Weise sein. Es giebt eine Reihe von Fällen, wo der Mann ausschliesslich vom Manne gereizt wird, man nennt solche Leute Urninge im engeren Sinn. Es giebt ferner Fälle, wo ein Mann sich entweder zu gewissen Zeiten nur zum Manne, zu anderen Zeiten zum Weibe hingezogen fühlt, oder seltene Fälle, wo beide Neigungen gleichzeitig bestehen. Man nennt solche Männer, die bald Neigung zum Weibe bald zum Manne haben, psychische oder psychosexuale Hermaphroditen.

Nach Ramdohr werden homosexuale Empfindungen auch bei Thieren angetroffen, doch giebt der Autor über diese wichtige Frage leider keine Einzelheiten an. Auch Krauss 1) meint, dass

1) Heinrich Hössli Eros. 2 Bände. Glarus 1836—1838. Ich habe dieses Buch, das auch den Titel führt: „Die Unzuverlässigkeit der äusseren Kenn-


8 Homosexualer Trieb.

sich Andeutungen von Päderastie nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Hunden und Affen zeigen. Auch der in der Vorrede erwähnte Herr N. N. hat einen Fall beobachtet, wo zwei Hunde männlichen Geschlechts solange sich an einander rieben, bis bei dem einen ejaculatio erfolgte.

Dass es sich jedenfalls bei der conträren Sexualempfindung nicht um eine zufällige Erscheinung, sondern um ein unter bestimmten Bedingungen auftretendes, allerdings pathologisches Phänomen handelt, ist sicher. Es geht dies schon daraus hervor, dass zu allen Zeiten und an allen Orten bei Menschen, die vollkommen unabhängig von einander lebten, diese Erscheinungen auftraten. Dass es sich um eine gewisse Gesetzmässigkeit handelt, geht auch daraus hervor, dass sich in den vielen Biographien und Autobiographien von Urningen eine ganz auffallende Uebereinstimmung zeigt. Trotz vieler individueller Verschiedenheiten, die selbstverständlich sind, lassen sich doch viele gemeinsame Züge wiederfinden, die wir als Charakteristika des Uranismus feststellen können.

Wenn wir nun auch nach dem heutigen Stande der Wissenschaft das Vorkommen weiblicher Sexualempfindungen bei Männern mit wohlgebildeten Genitalien nicht bestreiten können, so dürfen wir doch nicht so weit gehen, aus der Ausnahme eine Regel machen zu wollen und wir dürfen nicht, wie Hössli 2) es glaubt, darum die äusseren Kennzeichen des Geschlechtslebens für überflüssig und schädlich erklären.

(Fortsetzung der Fußnote von der vorigen Seite)

zeichen, im Geschlechtsleben des Leibes und der Seele" bei Abfassung meiner Arbeit viel benutzt; besonders waren mir die zahlreichen Literaturangaben über den Eros in Hösslis Buch sehr werthvoll.

2) A. Krauss, Die Psychologie des Verbrechens. Tübingen 1884.




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