VIII. Theoretisches.

Im Anschluss an die Aetiologie will ich noch einige Worte über die theoretischen Erklärungsversuche anführen, die von einzelnen Forschern für die conträre Sexualempfindung gemacht wurden. In Platos Gastmahl wird schon versucht, eine Erklärung der conträren Sexualempfindung zu geben, und zwar ist es der spöttische Aristophanes, der die bezüglichen Auseinandersetzungen hier giebt. Er nimmt die Erklärung von einem alten Mythus her. Darnach existirten früher drei Geschlechter auf der Erde, und zwar gab es ausser dem männlichen und weiblichen noch eines, welches als Mannweib (androgynisch) bezeichnet wird. Die Gestalt aller Menschen war aber auch verschieden; es hatte ein jeder 4 Beine, 2 Gesichter, 2 Geschlechtstheile u. s. w. Da die Menschen sich gegen die Götter übermüthig benahmen, wurden sie von Zeus schwächer gemacht. Es wurde zu diesem Zweck jeder Mensch in zwei Hälften getheilt; der Mann in zwei männliche, das Weib in zwei weibliche und der Androgyn in eine weibliche und eine männliche. Jede Hälfte suchte nun aber die von ihr getrennte, früher mit ihr verbundene Hälfte auf, nach der sie sich sehnte. Diejenigen Männer, die einen Theil des androgynischen Geschlechte bildeten, suchten als anderen Theil den weiblichen auf; sie sind weibliebend. Hingegen sind die Männer, die aus dem früheren Doppelmann entstanden, weil sie nun die andere von ihnen getrennte männliche Hälfte suchten, mannliebend geworden. Dies ist die Erklärung, die Aristophanes für die Erscheinung zu geben suchte.

Ein alter Philosoph Parmenides versuchte, wie Virey erwähnte, in seinem Werk περι φνσεως gleichfalls eine Erklärung für die mannmännliche Liebe zu geben. Nach ihm bringt der Samen der Eltern, wenn er sich beim Geschlechtsact innig mischt, normale Körper hervor. Mischen sich dagegen die Samenflüssig-


Theorie einiger Urninge. 179

keiten nicht, so werden Wesen erzeugt, die in der Folge gleichsam, um sich das Fehlende zu ersetzen, Personen ihres eigenen Geschlechts begehren, z. B. weibische Männer, die andere Männer aufsuchen, um selbst männlicher zu werden (Virey).

Ich will auch bei der Gelegenheit noch eine Erklärung anführen, die, wie mir ein gebildeter Urning mittheilte, in urnischen Kreisen mitunter gegeben wird. Darnach soll ein besonderer Einfluss der Mutter während der Gravidität 1) bei dem zu gebärenden Kinde die Anlage zur conträren Sexualempfindung hervorbringen. Der Einfluss selbst soll darin bestehen, dass die Mutter während der Schwangerschaft sich sexuell sehr erregt zeigt und lebhaft geschlechtlichen Verkehr mit dem Manne wünscht, und zwar gerade zu der Zeit, wo die Geschlechtsorgane des Fötus sich entwickeln. Wenn es sich nun um ein männliches Kind handelt, so soll dieser Einfluss sich darin äussern, dass die zu dieser Zeit hervorgetretene Neigung der Mutter zum Mann auch bei dem Fötus eine dauernde Neigung zum Mann, beziehungsweise die Anlage dazu hervorruft.

Ramdohr hat im vorigen Jahrhundert die homosexuale Neigung zu ergründen versucht; doch sind mir die Ausführungen des Autors nicht vollständig klar, und sie scheinen mir im wesentlichen doch nur auf eine Umschreibung, nicht aber auf eine wahre Erklärung hinauszukommen.

In neuerer Zeit hat Mantegazza eine eigenthümliche Theorie aufgestellt. Er meint, dass der perverse Geschlechtstrieb der Urninge durch einen fehlerhaften Verlauf der Nerven bedingt sei,

1) Ein urnischer Patient von v. Krafft-Ebing machte eine Angabe, die mit der obigen manche Aehnlichkeit hat; er meinte nämlich, dass sein Vater bei der Cohabitation ein Mädchen habe zeugen wollen, und dass in Folge dessen bei dem sich entwickelnden männlichen Fötus weibliche Eigenschaften, insbesondere conträre Sexualempfindung bezw. die Anlage hierzu entstanden sei.

Der Einfluss der Psyche der Eltern auf das Kind während der Begattung und der der Mutter wahrend der Schwangerschaft ist oft hervorgehoben worden. Ohne alle hierher gehörige Angaben für bewiesen oder für beweisend zu halten, erwähne ich einige als Analogie der obigen Theorie. Zahlreiche hierher gehörige Notizen findet man in A. A. Liébeault, Du Sommeil, Paris 1866; ferner in Frarières, Influences maternelles, 1862; in Lucas, Traité de l'hérédité. Paris 1850. Liébeault erwähnt u.a. folgende Fälle: Victor Hugo soll erklärt haben, dass er sein poetisches Talent dem Umstand zu danken habe, dass seine Mutter, als sie schwanger war, eine lange Reise in ausserordentlich malerische Gegenden gemacht hat. Maria Stuarts Sohn konnte kein Schwert ausserhalb der Scheide sehen, ohne unwohl zu werden; er soll dieses Symptom dadurch erworben haben, dass seine Mutter während der Schwangerschaft Rizzio, ihren Vertrauten, erstechen sah.

12*


180 Mantegazzas Theorie.

indem die unter normalen Verhältnissen für die Genitalien bestimmten Nerven sich bei deu Päderasten im Mastdarm verbreiteten, wodurch der sonst in den Genitalien ausgelöste Wollustreiz bei ihnen durch Reizung des Mastdarms stattfinde. Doch hat mit Recht v. Krafft-Ebing diese Theorie bekämpft. Zunächst könnte Mantegazzas Theorie sich nur auf die passiven Päderasten beziehen; diese finden sich aber überhaupt, im Vergleich zu der grossen Ausbreitung des Uranismus, nur selten 1), so dass die bei weitem meisten Fälle selbst dann unklar blieben, wenn Mantegazza für die passive Päderastie Recht hätte. Aber auch dieses ist nicht der Fall.

Es übt den Reiz für den passiven Päderasten membrum virile aus; ejus immissio in rectum giebt ihm Befriedigung. Immissio digitorum vel aliarum rerum würden dem passiven Päderasten keine Befriedigung gewähren, wenn er sich nicht den Mann in seiner Phantasie vorstellt. Es ist also für diese Leute die Vorstellung des Mannes unerlässlich; diesen Kernpunkt übersieht Mantegazza vollkommen.

Wenn übrigens auch durch Friction des Mastdarms 2) Orgasmus entsteht, so brauchen wir noch lange nicht an einen falschen Verlauf der Nerven zu denken. Es giebt Männer, bei denen Wollust durch andere periphere Reize, z. B. durch leichtes Berühren der Rückenhaut, der Füsse, ja der Stirnhaut hervorgerufen wird. Sollen wir deshalb annehmen, dass in dem Falle die Rücken-, Fuss- und Stirnnerven durch einen Entwicklungsfehler die normaliter zum Penis verlaufenden Nerven seien? Die Projection des Wollustgefühls, so weit bei einem Gemeingefühl hiervon die Rede sein kann, findet endlich auch bei den passiven Päderasten in membrum statt; es scheint, dass nur die Auslösung des Geschlechtsactes eine reflectorisch vom Rectum ausgehende ist.

Ist also diese Theorie, welche die Ursache der conträren Sexualempfindung in einer peripheren Abweichung sieht, zurückzuweisen, so kommen wir zu der Annahme, dass es sich bei der sexuellen Perversion nur um einen psychischen Vorgang handeln kann. Da die peripheren Sexualorgane an sich normal functioniren,

1) Vielleicht ist übrigens Päderastie in Italien häufiger als in Deutschland.

2) Von einem Urning wird übrigens mir mitgetheilt, dass eine immissio profunda membri in rectum kaum vorkomme, dass kaum die Analöffnung wesentlich überschritten werde.


Gehirn als Sitz der Affection. 181

so können wir in ihnen den eigentlichen Sitz der Krankheit nicht annehmen. Gestört ist bei perversem Geschlechtstrieb nur die Art und Weise, wie die Psyche auf die Sexualorgane wirkt. Nun wirken auf die peripheren Genitalorgane anregend alle Vorstellungen, die den Geschlechtstrieb erwecken. Dieser wird normaliter beim Manne durch Vorstellungen, die das Weib zum Inhalt haben, hervorgerufen, beim Urning durch solche, die den Mann betreffen. Es ist also bei diesem der Einfluss der Vorstellungen auf den Geschlechtstrieb ein veränderter. Wir müssen also den Sitz der conträren Sexualempfindung dahin verlegen, wo die Vorstellungen den Geschlechtstrieb wecken; dies ist aber nach den Anschauungen der modernen Physiologie das Centralnervensystem, und zwar das Gehirn.

Es ist hierbei ganz gleichgültig, ob die Vorstellung, die den Geschlechtstrieb erweckt, eine solche ist, die auf einer augenblicklichen Sinneswahrnehmung beruht, oder ob es sich bei ihr nur um ein Erinnerungsbild, eine Phantasievorstellung handelt. Beide Arten der Vorstellung verlegen wir in das Gehirn und zwar, wenn es sich um eine bewusste Vorstellung handelt, gewöhnlich in die Gehirnrinde, obwohl hierüber die Acten noch lange nicht geschlossen sind, in wie weit auch bewusste Vorstellungen in andern Theilen des Centralnervensystems ihren Sitz haben können.

Zwei französische Autoren, Magnan und Gley, gingen im Anschluss an Ulrichs so weit, von einem weiblichen Gehirn bei Urningen zu sprechen; es soll das ganze Gehirn dieser Leute, trotz ihrer männlichen Geschlechtsorgane durchaus weibliche Eigenschaften haben, wodurch das weibliche Empfinden und Fühlen, kurz und gut, die ausgesprochenen Erscheinungen der Effemination und der sexuellen Perversion erklärt würden. v. Krafft-Ebing weist diese Annahme zurück und stützt sich hierbei u. a. auf ein Sectionsergebniss, wobei das Gehirn sich normal erwies.

Auch in anderen Fällen von Obductionen von Homosexualen, z. B. bei einer, die Recklinghausen machte, findet sich nichts über dem conträren Geschlechtstrieb entsprechende Eigenschaften des Gehirns.

Ich meine übrigens, dass die Frage dennoch nicht endgültig entschieden ist, ob wir beim Urning mitunter doch die Eigenschaften im Gehirn wiederfinden, die gewöhnlich des Weibes Gehirn zeigt. 1)

1) Diese Frage ist deshalb besonders schwierig zu beantworten, weil wir keine absoluten Differenzen zwischen männlichem und weiblichem Gehirn kennen.


182 Localisation des Geschlechtetriebes.

Wenn wir nun annehmen, dass im Gehirn die Ursache der conträren Sexualempfindung liegt, und wir nicht gerade der Ansicht sind, dass das ganze Gehirn als solches den weiblichen Typus habe, so liegt die Frage nahe, wo wir dann die Affection zu localisiren haben. Es liegt diese Frage besonders da nahe, wo nur der Geschlechtstrieb, nicht aber die sonstigen Eigenschaften Veränderungen darbieten. Ich berühre diesen Punkt, weil in Bezug auf Localisation im Gehirn bei Aufstellung von Theorien oft Fehler begangen werden, und weil auch bereits Andeutungen über die Localisation des Geschlechtstriebes gemacht wurden.

Ueber den anatomischen Sitz der conträren Sexualempfindung können wir genaues nichts sagen. Wir dürfen allenfalls vermuthen, dass in der Hirnrinde sich Ganglienzellen befinden, die für das sexuelle Fühlen von Wichtigkeit sind; über die Localisirung derselben irgend etwas zu sagen, halte ich nicht für richtig, v. Krafft-Ebing schliesst auf eine nahe locale Aneinanderlegung der sexuellen Sphäre und der Geruchssphäre in der Hirnrinde. Das Geruchscentrum befindet sich aber nach Ferrier in der Gegend des Gyrus uncinatus, nach Zuckerkandl, wie v. Krafft-Ebing erwähnt, im Ammonshorn. v. Krafft-Ebing schliesst auf eine locale Aneinanderlagerung jener Centren, weil, wie allerdings nicht zu leugnen ist, der Geruchssinn mitunter im engsten Zusammenhange mit dem Geschlechtssinn steht.

v. Krafft-Ebing erwähnt eine Arbeit von Althaus 1), der bei Thieren auf den nahen Zusammenhang von Geruchs- und Geschlechtssinn aufmerksam machte. v. Krafft-Ebing bringt auch eine Reihe anderer Einzelheiten hierüber, die bei Menschen den Zusammenhang von Geruchssinn und Geschlechtstrieb zeigen, so führt er den wollusterregenden Duft der Blumen an, den bereits u. a. Cloquet erwähnte; ferner einzelne Fälle, wo Männer von Liebe entbrannten, nachdem sie durch irgend welche Geruchswahr-

(Fortsetzung der Fußnote von der vorigen Seite)
diese vielmehr in dem Sinne nur relative sind, dass wir bei einer grösseren Zahl von Gehirnen von Weibern und solchen von Männern gewisse Durchschnittszahlen erhalten, die für beide Geschlechter verschieden sind. So ist nach Schwalbe, Lehrbuch der Neurologie, durchschnittlich der sagittale Durchmesser des Gehirns beim Manne etwa 10 mm grösser als beim Weibe; das Hirngewicht des Mannes ist nach Bischoff durchschnittlich 1363 gr, das des Weibes 1244 gr.

1) Archiv für Psychiatrie XII, Heft l. Althaus, Beiträge zur Physiologie und Pathologie des Olfactorius.


Geschlechtstrieb und Geruchssinn. 183

nehmungen, die von seiten des Weibes ausgingen, an dieses gefesselt wurden, z. B. Heinrich IV. von Frankreich.1)

Indessen halte ich doch diese Begründung nicht für richtig. Erstens können wir von einer functionellen Verwandtschaft durchaus nicht auf die anatomische Aneinanderlegung gewisser Centren schliessen. Ausserdem aber ist zwar die Verwandtschaft der Geruchsempfindung mit dem sexuellen Triebe vielfach nicht von der Hand zu weisen; wir dürfen aber nicht übersehen, dass viele Gerüche überhaupt eine Beziehung zum Geschlechtstriebe nicht haben, und wir müssten also annehmen, dass nur das Centrum gewisser Geruchsempfindungen in der Nähe von dem Centrum für die Sexualempfindung liegt. Ferner aber ist die Verwandtschaft der Geruchsempfindung mit dem sexuellen Triebe nicht grösser als die vieler anderer Sinneseindrücke, und wir müssten z. B. ganz ebenso auf eine nahe Aneinanderlagerung des Centrums für den sexuellen Trieb und des Centrums für die Gesichtswahrnehmung sowie der Tastwahrnehmung schliessen; denn es kann nicht geleugnet werden, dass der Gesichtssinn in einem viel engeren Zusammenhange mit dem Geschlechtstriebe steht, als der Geruchssinn. Das Anblicken eines uns zusagenden Weibes wird mindestens eben so sehr den Geschlechtstrieb in uns rege werden lassen, wie die Wahrnehmung irgend eines von diesem Weibe ausgehenden Geruches, ebenso wird das Anfühlen, beispiels-

1) Auch von Heinrich III. von Frankreich wird erzählt, dass er unmittelbar, nachdem er sich zufällig mittelst des schweisstriefenden Hemdes der Maria von Cleve getrocknet hatte, eine leidenschaftliche Liebe zu ihr gefasst habe. Wir haben oben gesehen, dass Heinrich III. mit Recht für eine Urningsnatur gehalten wird. Selbst wenn die Angabe von seiner Leidenschaft für Maria richtig ist, so würde die urnische Natur des Königs nicht widerlegt sein, da derartige vorübergehende Leidenschaften bei Homosexualen nicht selten gefunden werden. Ich bin aber ausserdem allen derartigen historischen Angaben gegenüber sehr misstrauisch. Der Causalnexus zwischen dem Abwischen des Gesichts mit dem schweissgetränkten Hemde des Weibes und dem Entstehen der Leidenschaft kann zu leicht nachher willkürlich construirt werden. Man braucht nur die ziemlich lebhafte Phantasie der Menschen in allen Dingen, die die Liebe betreffen, zu berücksichtigen, um zuzugeben, wie leicht ein Irrthum in solchen Dingen möglich ist, zumal wenn es sich darum handelt, eine etwas ungewöhnliche Erscheinung, wie z. B. Erwecken der Liebe, durch den Geruch des Schweisses zu begründen. Deshalb bin ich nicht nur gegenüber dem Falle von Heinrich III., sondern auch anderen Berichten gegenüber, die das gleiche Thema betreffen, etwas skeptisch. Ich halte es auch nicht für unmöglich, dass die Erzählung über Heinrich III. absichtlich erfunden wurde, um seine urnische Natur zu verschleiern, da ähnliches mitunter heute bei Urningen geschieht.


184 Jägers Theorie.

weise der Brüste, in ganz anderer Weise unser sexuales Gefühl erregen, wie es etwa das Wahrnehmen der Hautausdünstung durch den Geruchssinn thut. Kurz und gut wir müssten dann ebenso auf eine nahe Aneinanderlagerung von dem Centrum für den sexuellen Trieb und von dem Centrum für den Gesichtssinn resp, Tastsinn schliessen. Ich halte aber diesen Schluss aus den oben angeführten Gründen für verfehlt, weil ich es überhaupt nicht für nothwendig halte, dass zwei Hirnabschnitte anatomisch aneinander gelagert sein müssen, wenn deren Functionen auch in einem gewissen Causalnexus stehen. Endlich aber fragt es sich, ob es überhaupt ein bestimmtes Centrum für die sexuellen Empfindungen giebt, ob nicht diese vielmehr in zahlreichen, über das ganze Gehirn zerstreuten Bezirken ihren Sitz haben.

Aus allen diesen Gründen halte ich eine Localisation 1) des homosexualen Geschlechtstriebes ebensowenig heute für möglich wie die des heterosexualen.

Eine besondere Theorie hat Gustav Jäger 2) aufgestellt: sie entspricht ganz und gar seinen Anschauungen über die Wichtigkeit des Geruches. Nach Jäger beruht die Homosexualität auf einer angeborenen Specificität der Seelenstoffe; sie sind bei dem Homosexualen derart beschaffen, dass sie mit den Seelendüften des Weibes in entschiedenster Disharmonie stehen. Das Weib riecht den Urningen am ganzen Körper übel, insbesondere die Brüste und der Schoss; sie können das Weib also unmöglich als Object zur Befriedigung ihres Geschlechtstriebes benutzen. Hingegen stehen nach Jäger die Seelenstoffe der Homosexualen in Harmonie mit Personen des gleichen Geschlechts. Diese Theorie von Jäger ist auf der richtigen Beobachtung aufgebaut, dass der Geruch des Weibes dem Urning unsympathisch ist. Dennoch müsste erst von

1) Dass Gall, Spurzheim und andere Forscher, die sich jenen anschlossen, entsprechend ihrer strengen Localisationslehre auch für den Geschlechtstrieb eine bestimmte Stelle im Gehirn suchten, kann nicht verwundern. Sie verlegten ihn in das Cerebellum, nach einigen sollte man sogar die Stärke des Geschlechtstriebes an der Ausdehnung des Kleinhirns ermessen können: diese aber sollte wiederum durch den Abstand der Processus mastoidei von einander beurtheilt werden. Wenige Localisationen fand Spurzheim so sicher gestellt wie die des Zeugungstriebes (Amativeness im Englischen) im Kleinhirn. George Combe hat, ohne die Spur eines Beweises zu erbringen (in A System of Phrenology), den genaueren Sitz des Geschlechtstriebes in die Mitte des Kleinhirns verlegt. Spurzheim gab den Rath, dass Leute, bei denen das Cerebellum stark entwickelt wäre, nicht zu einem Berufe übergehen sollen, der zum Cölibat zwinge, da, bei ihnen der Geschlechtstrieb zu mächtig sei.

2) Gustav Jäger, Entdeckung der Seele, III. Aufl. I. Band. Leipzig 1884.


v. Krafft-Ebings Vererbungstheorie. 185

Jäger bewiesen werden, was er keineswegs gethan hat, dass der Geruchssinn allein den Geschlechtstrieb bedingt. Dieser ist vielmehr von den andern Sinnen, beispielsweise vom Gesicht und Tastsinn ganz ebenso abhängig, wie oben auseinandergesetzt ist.

v. Krafft-Ebing suchte vom ätiologischen Standpunkt aus die conträre Sexualempfindung zu erklären. Er meint, dass die angeborene conträre Sexualempfindung auf dem Wege der Vererbung entstanden sei. Die scharfe Trennung, die v. Krafft-Ebing zu diesem Zwecke zwischen erworbener und angeborener conträrer Sexualempfindung macht, halte ich nicht für unentbehrlich, um seine Theorie zu rechtfertigen. Er vermuthet nämlich, dass der Ascendent vielleicht die krankhafte Neigung zum eigenen Geschlecht erworben habe, und diese dann als angeborene krankhafte Erscheinung bei seinen Nachkommen sich vorfindet. Da conträre Sexualempfindung in der That mitunter bei potenten Leuten vorkommt, so ist die Theorie von v. Krafft-Ebing sehr zu berücksichtigen. Sie basirt natürlich auf Darwins Anschauungen. Darwin hat allerdings in seinen Werken, so weit ich finde, nirgends etwas von conträrer Sexualempfindung oder verwandten Erscheinungen erwähnt. Dennoch steht v. Krafft-Ebings Theorie ganz im Einklang mit Darwins Lehren von der Vererbung. Darwin sagt 1): „Ich habe von authentischen Fällen gehört, in welchen eine Sucht zu stehlen und eine Neigung zu lügen durch Familien selbst höherer Stände hindurch ging, und da das Stehlen ein so seltenes Verbrechen in den wohlhabenden Klassen ist, so können wir die in zwei oder drei Mitgliedern derselben Familie auftretende Neigung nicht durch eine zufällige Coincidenz erklären." Gewiss können wir analoges auch von der conträren Sexualempfindung sagen, wenn sie auch nicht bloss bei höheren Ständen und vielleicht häufiger als die Sucht zu stehlen vorkommt.

Einzelne casuistische Mittheilungen sind geeignet, v. Krafft-Ebings Theorie zu stützen. So bezieht sich dieser Autor auch auf einen Fall, wo ein conträr sexuell empfindender junger Mann mit voller Sicherheit behauptete, dass sein eigener Vater gleichfalls Urningsnatur gehabt habe. Ein Patient von v. Krafft-

1) Charles Darwin, Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl; a. d. Engl. von J. Victor Carus. III. Aufl. Stuttgart 1875. I. Band, S. 159.


186 v. Krafft-Ebings Vererbungstheorie.

Ebing macht die immerhin interessante Angabe, dass sein Vater eine sehr auffallende Vorliebe für schöne Bediente gehabt habe.

Herr N. N., der in der Vorrede genannt ist, und der Urning ist, schreibt mir über diesen Punkt folgendes: „Ich habe aus der Bibliothek meines verstorbenen Vaters eine ganze Reihe Bücher für mich herausgesucht. Mein Vater machte dann und wann Randbemerkungen in seinen Büchern; was mir aber auffiel, ist der Umstand, dass die Randbemerkungen ganz besonders zahlreich an den Stellen sind, die von conträrer Sexualempfindung handeln. Mein Vater hat innerhalb weniger Jahre fünf Kinder gezeugt, war also zweifellos potent; ich will auch nicht behaupten, dass mein Vater selbst pervers war. Ich vermuthe aber, dass ein naher Anverwandter sexuell conträr veranlagt war, und dass deshalb meinen Vater dieses Gebiet besonders interessirte."

Ganz besondes wichtig sind aber Fälle, die Lucas 1) anführt, wo es sich um Vererbung des Hanges zur Päderastie handelt. Ein Koch von seltener Begabung für sein Fach hatte stets eine an Raserei grenzende Zuneigung zu Frauen, hierzu gesellte sich noch eine Zuneigung zur Päderastie; ein unehelicher Sohn von ihm hatte merkwürdiger Weise ebenso wie sein Vater eine Neigung zu beiden Geschlechtern, trotzdem er vom Vater entfernt lebte, ja diesen nicht einmal kannte.

Es sei ferner bei dieser Gelegenheit bemerkt, dass die (S. 27 erwähnte) Erkrankung der Scythen nach Herodot gleichfalls für erblich galt.

Weiteres Material für die Erblichkeit der conträren Sexualempfindung liefert das Vorkommen derselben bei anderen Blutsverwandten; hierher gehören insbesondere auch Fälle, wo bei Brüdern sich gleichzeitig conträre Sexualempfindung zeigt. Ich weiss zwei Brüder, die gleichzeitig an conträrer Sexualempfindung leiden; ein anderer Fall von zwei Brüdern mit dieser Perversion wird mir gleichfalls von zuverlässiger Seite berichtet.

In zwei Fällen wurde mir von Männern mit conträrer Sexualempfindung eine vollständig sexuelle Anästhesie je eines Bruders angegeben. Es findet sich auch in einzelnen Fällen die Angabe, dass Schwestern gegenüber den Huldigungen der Männerwelt eine immerhin ganz ungewöhnliche Gleichgültigkeit zeigen. In einem Falle von v. Krafft-Ebing wird mitgetheilt, dass die Schwester

1) P. Lucas, Traité physiologique et philosophique, de l'hérédité naturelle. Paris 1850.


v. Krafft-Ebings Vererbungstheorie. 187

des Patienten Männern gegenüber kalt sei, dass sie aber in einzelne ihrer Freundinnen geradezu verliebt erscheine.

Auch sind mir Fälle bekannt, wo andere pathologische sexuelle Perversionen bei mehreren Familienmitgliedern vorkommen. Der Fall von Sadismus aus meiner Praxis, den v. Krafft-Ebing veröffentlichte, hat einen Bruder, der gleichfalls deutlich ausgeprägte sadistische Neigungen hat. Während der eine die Hauptneigung hat das Weib zu schlagen, so dass es vor Schmerz schreit, liebt der andere es, das Weib mit seinem Samen im Gesicht zu besudeln, was er öfter gethan hat; es gewährt ihm ein Gefühl der Befriedigung, wenn das Weib hierüber weint. Aehnlich liegt ein Fall von v. Krafft-Ebing, wo gleichfalls die Vererbung sadistischer Neigungen sich zeigt. Der Mann hat deutliche geschlechtliche Regungen, wenn Hühner abgestochen werden; der Vater desselben hatte merkwürdiger Weise eine Leidenschaft dafür, Mädchen und jungen Frauen die Hände fest zusammenzubinden.1)

Auch Ribot 2), der einen so grossen Einfluss auf die Erblichkeit legt, betont insbesondere erbliche Uebertragung von Abnormitäten des Geschlechtstriebes; er führt als Belag hierfür zahlreiche Namen an; z. B. Alexander VI.3) und seine Kinder!

Nach Erörterung der Vererbungstheorie will ich noch kurz auf die dem Darwinismus in mancher Beziehung entgegengesetzte Theorie von Schopenhauer hinweisen, die bereits im historischen Theil S. 34 erwähnt ist. Sie sieht wie in allem so auch in der homosexualen .Neigung einen bestimmten Zweck der Natur. Diese Anschauung ist mit vollem Recht in einer ausführlichen Besprechung 4)

1) In der II. Auflage von desselben Autors „Neue Forschungen" findet sich die Angabe eines Stiefelfetischisten, dass sein Bruder und wahrscheinlich auch ein anderer Verwandter die gleiche Perversion habe. In einem mir bekannten Falle von Stiefelfetischismus ist aus mehreren Gründen der Verdacht gerechtfertigt, dass die Geschwister gleichfalls sexuelle Perversionen haben.

2) Th. Ribot, Die Erblichkeit, Deutsch von Otto Hotzen, Leipzig 1876.

3) Der Pabst hiess ursprünglich Roderigo Borgia und stammte aus einem der edelsten, aber später berüchtigtsten Geschlechter der Borgia durch seine Mutter ab, deren Familiennamen Borgia er annahm. Alexander war als Cardinal und Pabst durch sein ausschweifendes Leben berüchtigt; unter seinen Kindern sind am bekanntesten Cäsar Borgia und Lucretia Borgia.

4) Psyche. Zeitschrift für die Kenntnisse des menschlichen Seelen- und Geisteslebens. Von Ludwig Noack. III, Band, Leipzig 1860. Der über unser Thema handelnde Artikel ist überschrieben „Die Meister Weiberfeind und Frauenlob". Der ordinäre Ton der Besprechung, der soweit geht, Schopenhauer durch den Vorwurf der Päderastie herabzusetzen, verdient den schärfsten Tadel trotz der sachlich richtigen Ausführungen.


188 Schopenhauers Theorie.

von Schopenhauers Arbeiten bekämpft worden. Die allgemeine örtliche und zeitliche Ausbreitung der homosexualen Liebe beweist nach Schopenhauer, dass sie aus der menschlichen Natur entspringt. Er geht nun weiter zu des Aristoteles Behauptung über, dass Männer von Mitte der fünfziger Jahre ab schwächliche Kinder zeugten und daher das Fortpflanzungsgeschäft am besten aufgäben. Um nun der Erhaltung der Gattung zu Hilfe zu kommen und das Entstehen elender Menschen zu verhindern, wandelt sich in jenem Alter bei Männern nach Schopenhauer der Trieb zum Weibe in die homosexuale Neigung um. In der erwähnten Besprechung wird zunächst des Philosophen Behauptung zurückgewiesen, dass Männer in den fünfziger Jahren kräftige Nachkommen nicht sollten zeugen können. Was aber die Hauptsache ist, so irrte Schopenhauer darin, dass in dem höheren Mannes- resp. Greisenalter sich normaliter homosexuale Neigungen zeigten; wo diese bestehen, da sind sie vielmehr, wie wir gesehen haben, fast stets schon in der frühesten Kindheit vorhanden. Wenn sie aber erst in den fünfziger Jahren oder später entstehen, haben wir viel eher die Berechtigung, an eine beginnende Gehirnkrankheit zu denken, als das Symptom für ein normales zu halten.

Auf einer ebenso irrigen Voraussetzung wie Schopenhauers Ansicht basirt die von Gyurkovechky in neuester Zeit ausgesprochene. Er meint nämlich, dass unter normalen physiologischen Verhältnissen im späteren Mannesalter der Geschmack sich verderbe. Der Mann sei nicht mehr so wählerisch wie früher, und er verkehre mit Personen, die er früher entschieden zurückgewiesen hätte, so dass er in Bezug auf Sauberkeit nicht mehr die früheren Ansprüche stelle. Dieses physiologische Niedergehen des Geschmacks ist nun nach Gyurkovechky die Ursache davon, dass sich häufig perverse Geschlechtsempfindung entwickelt. In diese Gruppe gehören nach dem genannten Autor alle jene Individuen, welche, nachdem sie Jahrzehnte hindurch sich ganz normal gezeigt haben, später als Päderasten, Exhibitionisten oder dergleichen criminell werden.

Nach diesen Erörterungen will ich im folgenden noch einige allgemeinere Angaben darüber machen, wie ich mir die conträre Sexualempfindung theoretisch vorstelle. Die meisten Erklärungen kranken daran, dass sie nicht genügend die Analogien des Geschlechtstriebes mit anderen Functionen berücksichtigen.


Der Geschlechtstrieb, eine psychische Function. 189

Wenn wir überhaupt den homosexualen Geschlechtstrieb verstehen wollen, so dürfen wir nicht den Geschlechtstrieb als eine von allen andern Functionen des Menschen vollständig getrennte Erscheinung betrachten, er ist vielmehr eine psychische Function wie viele andere. Jedenfalls werden wir die krankhafte Veränderung des Geschlechtstriebes dann weniger unbegreiflich finden, wenn wir uns sagen, dass fast alle psychischen und somatischen Functionen ganz ebenso verändert sein können. Es fällt uns die Veränderung hier nur deshalb auf, weil bei den meisten Individuen mit männlichen Geschlechtsorganen 1) sich der Geschlechtstrieb zum Weibe vereint findet. Wir dürfen uns aber durch die Häufigkeit und gewissermaassen Regelmäßigkeit, mit der wir dieses Zusammentreffen beobachten, nicht irre machen lassen. Vom teleologischeu Standpunkt, der die Hervorbringung von Nachkommen berücksichtigt, müssen wir allerdings den Trieb des mit männlichen Genitalien versehenen Individuums zum Weibe für den natürlichen halten; sehr häufig aber erleiden teleologische Bestimmungen des Organismus unter pathologischen Verhältnissen Ausnahmen. Der Zweck der Zähne ist es, die Speisen zu zerkleinern; dennoch giebt es Menschen, die keine oder wenige Zähne haben. Der Zweck der Leber ist es, die Galle dem Darmkanal zuzuführen, es giebt aber Krankheiten, wo die Galle nicht dem Darm zugeführt wird, infolge von Erkrankungen der Leber bezw. der Gallengänge.

Der Zweck des Hungergefühls ist es, dem Körper Nahrungsmittel zuzufahren. Es giebt aber pathologische Fälle, wo kein Hungergefühl besteht, dennoch aber der Magen normal ist. Ganz ebenso giebt es nun unter pathologischen Verhältnissen Fälle, wo dem männlichen Individuum der Geschlechtstrieb zum Weibe fehlt, obgleich die Genitalien normal gestaltet sind. Fast nur vom teleologischen Standpunkt aus können wir, wie gesagt, einen Zusammenhang zwischen männlichen Genitalien und Geschlechtstrieb zum Weibe verstehen. Sonst giebt es überhaupt gar keinen Grund, weshalb der Mann sich zum Weibe sollte geschlechtlich hingezogen fühlen, da er seinen Samen eben so gut auf andere Weise entleeren könnte. Es wäre nun geradezu wunderbar, wenn nicht der

1) Partes genitales, sive testes hominibus et feminis uterus, propensionem, ad venerem excitare nequeunt. Nam in pueris veneris Stimulus seminis secretioni saepe antecedit. Plures ennuchi, quamquam testihus privati, hanc inclinationem conservant. Sunt etiam feminae quae sine utero natae, hunc stimulum manifestant (Spurzheim).


190 Der Geschlechtstrieb, eine psychische Function.

Geschlechtstrieb ganz ebenso krankhafte Abweichungen zeigen sollte, wie andere Functionen des Körpers und der Seele. Wegen der enormen Wichtigkeit und wegen der besonderen socialen Stellung des Geschlechtstriebes dürfen wir ihn nicht als eine ganz isolirte Erscheinung betrachten.

Dass die Erscheinungen der conträren Sexualempfindung so sehr auffallen, hat wohl aber ferner den Hauptgrund darin, dass in socialer Beziehung nur wenige psychische Störungen so eingreifend wirken, wie der Geschlechtstrieb. Er ist an sich bei den Culturstaaten stets mit einem gewissen Schleier verdeckt. Dieser Umstand, dass er also eine wenig öffentliche Rolle spielt, musste hervortretende Abweichungen desselben erst recht auffallen lassen. Ganz besonders aber ist dies deshalb der Fall, weil der Geschlechtstrieb eine Function unserer Psyche ist, bei welcher ein anderes Individuum verlangt wird. Dies muss natürlich der socialen Bedeutung ein ganz anderes Gewicht verleihen. Vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet, sind Abweichungen des Geschlechtstriebes ganz ebenso anzusehen wie Abweichungen des Triebes zur Nahrungsaufnahme. Nur der Umstand, dass bei dem letzteren eine andere Person nicht verlangt wird, lässt sie in socialer Beziehung viel weniger bedeutsam erscheinen.

Für gewisse weitere Erscheinungen brauche ich nach diesen Ausführungen eine ausführliche theoretische Auseinandersetzung hier nicht zu geben, obwohl die conträre Geschlechtsempfindung, wie schon Westphal betonte, keineswegs ausschliesslich den Geschlechtstrieb umfasst. Insbesondere sind es die Erscheinungen der Effemination, die gleichfalls sehr wichtig sind. Ich will hier nur darauf hinweisen, dass wir diese Erscheinung in doppelter Weise uns denken können. Entweder nehmen wir an, dass, wie oben auseinandergesetzt, bei bestehendem homosexualen Triebe die sonstigen psychischen Eigenschaften des Individuums sich secundär verändern, oder wir können annehmen, dass gleichzeitig mit dem eigentlichen Geschlechtstriebe auch die Anlage zu dem psychischen Verhalten angeboren ist, welches jenem entspricht. Wenn wir die Erscheinung der Effemination als etwas secundäres betrachten, so können wir uns auf manche Erscheinung der Castration berufen, bei der gleichfalls, allerdings infolge einer peripheren Veränderung, oft der Geschlechtstrieb erlischt und gleichzeitig hiermit zahlreiche andere Erscheinungen des Unmännlichen, weibliche Stimme etc. auftreten.




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