Friedrich Engels über die Schriften von Karl-Heinrich Ulrichs

 Das ist ja ein ganz kuriosere „Urning“, den Du mir da geschickt hast. Das sind ja äußerst widernatürliche Enthüllungen. Die Päerasten fangen an sich zu zählen und finden, daß sie eine Macht im Staat bilden. Nur die Organisation fehlte, aber hiernach scheint sie bereits im geheimen zu bestehen. Und da sie ja in allen alten und selbst neuen Parteien, von Rösing bis Schweitzer, so bedeutende Männer zählen, kann ihnen der Sieg nicht ausbleiben. „Guerre aux cons, paix aus trous-de-cul“, wird es jetzt heißen. Es ist nur ein Glück, daß wir persönlich zu alt sind, als daß wir noch beim Sieg dieser Partei fürchten mßten, den Siegern körperlich Tribut zahlen zu müssen. Aber die junge Generation! Übrigens auch nur in Deutschland möglich, daß so ein Bursche auftritt, die Schweinerei in eine Theorie umsetzt und einladet: introite usw. Leider hat er noch nicht die Courage, sich offen als „das“ zu bekennen, und muß noch immer coram publico „von vorn“, wenn auch nicht „von vorn hinein“, wie er aus Versehen einmal sagt, operieren. Aber warte erst, bis das neue norddeutsche Strafgesetz die droits du cul anerkannt hat, da wird er ganz anders kommen.
Uns armen Leuten von vorn, mit unsrer kindischen Neigung für die Weiber, wird es dann schlecht gehen. Wenn der Schweitzer zu etwas zu brauchen wäre, so wäre es, diesem sonderbaren Biedermann die Personalien über die hohen und höchsten Päderasten abzulocken, was ihm als Geistesverwandten gewiß nicht schwer wäre.

Brief von Friedrich Engels an Karl Marx vom 22. Juni 1869

zitiert nach
Paul Derks
Die Schande der heiligen Päderastie. Homosexualität und Öffentlichkeit in der deutschen Literatur 1750 - 1850
Verlag rosa Winkel, Berlin 1990, Seite 172
ISBN 3-921495-58-X


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