Aus den

“Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-Östlichen Divans”


Das Schenkenbuch
...Weder die unmäßige Neigung zu dem halbverbotenen Weine, noch das Zartgefühl für die Schönheit eines heranwachsenden Knaben durfte im "Divan" vermißt werden; letzteres wollte jedoch unseren Sitten gemäß in aller Reinheit behandelt sein.
Die Wechselneigungen des früheren und späteren Alters deutet eigentlich auf ein echt pädagogisches Verhältnis. Eine leidenschaftliche Neigung des Kindes zum Greise ist keineswegs eine seltene, aber selten benutzte Erscheinung. Hier gewahre man den Bezug des Enkels zum Großvater, des spätgeborenen Erben zum überraschten zärtlichen Vater. In diesem Verhältnis entwickelt sich eigentlich der Klugsinn der Kinder; sie sind aufmerksam auf Würde, Erfahrung, Gewalt des Älteren; rein geborene Seelen empfinden dabei das Bedürfnis einer ehrfurchtsvollen Neigung; das Alter wird hievon ergriffen und festgehalten.
...
Höchst rührend aber bleibt das heranstrebende Gefühl des Knaben, der, von dem hohen Geiste des Alters erregt, in sich selbst ein Staunen fühlt, das ihm weissagt, auch dergleichen könne sich in ihm entwickeln. Wir versuchten so schöne Verhältnisse im "Schenkenbuch" anzudeuten und gegenwärtig weiter auszulegen. Saadi hat jedoch uns einige Beispiele erhalten, deren Zartheit gewiß allgemein anerkannt, das vollkommenste Verständnis eröffnet.

zitiert nach
Paul Derks
Die Schande der heiligen Päderastie. Homosexualität und Öffentlichkeit in der deutschen Literatur 1750 - 1850
Verlag Rosa Winkel, Berlin 1990
ISBN 3-921459-58-X

Zum West-Östlichen Divan beim Projekt Gutenberg.
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