Kaiser Nero wird geschwängert
Frösche und Kröten
&
wie der Legende nach der päpstliche
Lateranpalast
zu seinem Namen kam




...
um 1233 war mit dem Frosch jedoch noch eine weitere Vorstellung verbunden:
diejenige der widernatürlichen Unzucht. Diese Konnotation tritt mit besonderer Deutlichkeit in den mittelalterlichen Legenden über den römischen Kaiser Nero hervor. Zahlreiche Autoren - vom unbekannten Verfasser der Papiasglosse im 11. Jahrhundert bis zu Hartmann Schedel an der Schwelle zur Neuzeit - kolportierten einander ähnelnde Nerolegenden, die stets denselben Kern enthielten:
Kaiser Nero ließ sich von einem Mann begatten (beziehungsweise durch einen Trunk künstlich besamen), um am eigenen Leibe die Freuden der Schwangerschaft zu erleben. Statt eines Kindes aber brachte er nur Kröten (Frösche) zur Welt.
Diese Legende geht auf die Lateran-Etymologie zurück, derzufolge der Name der römischen Titelkirche soviel wie "lata rana", "breiter Frosch", bedeuten und auf den ehemaligen Palast der "Krötenmutter" Nero hinweisen soll. So heißt es im Papias-Vocabularium:

"Der Lateranpalast gehörte einst Nero. Sein Name leitet sich entweder
von der Seite (latus) des nördlichen Bezirks ab, in dem er sich befindet,
oder aber vom breiten Frosch (lata rana), den Nero geboren haben soll,
nachdem er sich einem Manne hingegeben hatte. In diesem Palast befindet
sich heute die Hauptkirche von Rom."


Die "Kaiserchronik", eine mittelhochdeutsche Geschichtsdichtung des 12. Jahrhunderts in 17.283 Versen, schildert die Geburt der Kröte wie folgt:
...
"Als der König über dem Tische saß,
erbrach er sich aus seinem Hals heraus
eine Kröte, viel breiter,
als ich es sagen kann.
Da sprangen alle Welschen auf
und riefen: "Lata rana!"
So gewannen sie den Namen,
so daß sie noch heute heißt: Lateran
...


zu Nero noch aus der rheinpfälzischen Versnovelle "Moriz von Cran":
...
er liez sich handeln als ein wp
und hte ouch man vür wibes lp.





"Textnachweis:"
Hergemöller, Bernd Ulrich
Krötenkuss und schwarzer Kater
Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts
Warendorf 1996
Fahlbusch Verlag
ISBN 3-925522-16-6
Seite 117 f
mit weiteren Hinweisen


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