Das lila Lied


    Was will man nur?
    Ist das Kultur
    daß jeder Mensch verpönt ist,
    der klug und gut,
    jedoch mit Blut
    von eig'ner Art durchströmt ist,
    daß g'rade die
    Kategorie
    vor dem Gesetz verbannt ist,
    die im Gefühl
    bei Lust und Spiel
    und in der Art verwandt ist?

    Und dennoch sind die Meisten stolz,
    daß sie von ander'm Holz!

    Wir sind nun einmal anders als die Andern,
    die nur im Gleichschritt der Moral geliebt,
    neugierig erst durch tausend Wunder wandern,
    und für die's doch nur das Banale gibt.
    Wir aber wissen nicht, wie das Gefühl ist,
    denn wir sind alle and'rer Welten Kind,
    wir lieben nur die lila Nacht, die schwül ist,
    weil wir ja anders als die Andern sind.

    Wozu die Qual,
    uns die Moral
    der Andern aufzudrängen?
    Wir, hört geschwind,
    sind wie wir sind,
    selbst wollte man uns hängen.
    Wer aber denkt,
    daß man uns hängt,
    den mßte man beweinen,
    doch bald, gebt acht,
    wird über Nacht
    auch uns're Sonne scheinen.

    Dann haben wir das gleiche Recht erstritten,
    wir leiden nicht mehr, sondern sind gelitten!

Text von Kurt Schwabach
1921


zitiert nach der CD
"Die schwule Plattenkiste - vom Hirschfeldlied zum lila Lied"
Schwules und lesbisches in historischen Aufnahmen 1908 - 1933
Edition Berliner Musenkinder - duophon Records LC 08681



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