Reichsstrafgesetzbuch RStGB § 184


in der Fassung vom 25.06.1900:
Mit Gefängnis bis zu Einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestraft, wer
1. unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen feilhält, verkauft, verteilt, an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder anschlägt oder sonst verbreitet, sie zum Zwecke der Verbreitung herstellt oder zu demselben Zwecke vorrätig hält, ankündigt oder anpreist;
2. unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen einer Person unter sechzehn Jahren gegen Entgelt überläßt oder anbietet;
3. Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauche bestimmt sind, an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder solche Gegenstände dem Publikum ankündigt oder anpreist;
4. öffentliche Ankündigungen erläßt, welche dazu bestimmt sind, unzüchtigen Verkehr herbeizuführen.

Neben der Gefängnisstrafe kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte sowie auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden.

Reichsstrafgesetzbuch RStGB § 184a


Eingefügt am 25.06.1900, "Lex Heinze":
Wer Schriften, Abbildungen oder Darstellungen, welche, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen, einer Person unter sechzehn Jahren gegen Entgelt überläßt oder anbietet, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark bestraft.



aus dem renommierten Frank`schen Kommentar zum Strafgesetzbuch §184a:
...Es genügt eine gröbliche Verletzung des Schamgefühls und zwar des Schamgefühls des "normalen Menschen". ... Reproduktionen anerkannter und in Museen auch sonst der Jugend zugänglicher Kunstwerke wird man nicht hierher rechnen dürfen. Im Übrigen ist das Geschlecht der Person, welcher überlassen oder angeboten wird, zu berücksichtigen. ..

Das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich nebst dem Einführungsgesetze herausgegeben und erlätert von
Dr. Reinhard Frank
Leipzig: Verlag von C. L. Hirschfeld 1901
2. Auflage


Am 13. Januar 1898 forderte August Bebel bei der ersten Lesung der "Lex Heinze" im Reichstag eine Überprüfung des §175 unter Hinweis auf die Schwulenkartei der Berliner Polizei mit tausenden von Namen "aus allen Gesellschaftskreisen". In diesem Zusammenhang wurde auch die "Petition an die gesetzgebenden Körperschaften des deutschen Reiches behufs Abänderung des § 175 des R.-St.-G.-B." des Wissenschaftlich-humanitären Komitees thematisiert, welche im Dezember 1897 den Mitgliedern des Reichstages und des Bundesrates zugeleitet worden war.
siehe:
Magnus Hirschfeld: Die Homosexualität des Mannes und des Weibes
Berlin: Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, 1914
Seite 981 ff


www.schwulencity.de = www.queernet.de = www.queer-net.de
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