Paul Verlaine: "Hombres" (Männer)

Hock auf..


Hock auf. Sei wie ein Weib gewandt
dem man`s von unten macht. Ja! Gut so! Ja!
Ganz recht. Hierher gehört die Hand,
Wenn ich ihn reinschieb und allda

Durch Butter rutschend, doch gleichviel
Die Lust an Deinen Lippen habe
Und toll im geilen Zungenspiel
Mich ausgelassen dort belabe,

Auch meine Augen wollen ganz
In deine tauchen bis zum Grund
Der wirren Träume Unzuchtsfund
Belebt sie da mit neuem Glanz.

Ich streichle Dir Genick und Rücken,
Die Flanken wollustheiß, den Bauch,
Dein Haar, die feuchten Locken auch,
Die Deine Achselhölen schmücken.

O, du, auf meinen Schenkeln reitend,
Schmiegst fest an mich die süße Last,
Wenn ich mich auf- und abmüh gleitend,
Wobei auch du Vergnügen hast.

Und du hast Lust. Du freust dich, Kleiner,
Sieh an! Es wächst und wächst dein Dolch,
Ehrgeizig ist er. Und gefällt in seiner
Rolle sich wohl, der hochgekommne Strolch.

Und, Himmel ach, wie Rosentau so blinkt
Erscheint als Vorpost nun ein Tröpfchen hell,
Gleichzeitig überschäumend schlürf ich`s flink
Und leck an dir und lutsch, mein Lustgesell,

Am fieberschweren Gliede dich
Und sauge trunken vom Aroma,
Daß bald der süßen Liebeslast sie sich
Entlädt in einem königlichen Strom.

Die Göttermilch, wie leuchtet sie erlesen,
Betäubend wie der Duft der Mandelbluht,
Davon der herbe Durst kommt, dessen Wesen
Mich umbringt, dieser Durst nach deiner Glut.

Die reiche Gabe deiner Jünglingskraft,
Die aber bleibt und hüllt mich herrlich ein,
Tief eingetaucht, getauft in ihrem Saft
Strömt hin mein ganzes glücksberauschtes Sein.

1891
Übersetzung von Curt Morek und Hans Schiebelhuth (1920)

In diesem Kaffeehaus


In diesem Kaffeehaus, voll Idioten, hocken wir beiden,
Die wir als Auswurf gezeichnet die Schmach der Verfehmten erleiden,
Weil wir als Männer uns lieben. Doch dies Gelichter
Kann uns gestohlen sein, diese affigen Sittenrichter
Mit ihrer simplen Liebe und ihrer Schafsmoral.
Wir genießen die Freuden nach unserer Wahl,
Wenn wir uns wiegen im Spiel mit dem stoßenden Degen,
Oder nach dem Liede der kleinen Flöte uns regen,
Daß wir mit Flocken beschäumt sind, sobald es verklungen
(So wie einst Hero als sie von Zeus besprungen).
Und wir schneuzen unsere Nase mit köstlicher Gebärde,
Spritzend unter den Tisch auf die Erde.

1891
Übersetzung von Curt Morek und Hans Schiebelhuth (1920)

Zwar ist


Zwar ist sein Beischlaf mäßig, aber daß
Der Bengel bei mir pennt macht großen Spaß,
Daß er mir zugesellt so schöne Dinge treibt
Im süßen Schlaf, der ohne Folgen bleibt;
Da glaub ich fast, dicht an ihn angeschmiegt,
Daß er mit mir zu liebeln Lüste kriegt,
Wenn sich sein feister Phallos plötzlich hebt
An meinem Bauch, der vor Erregung bebt,
Bis er - im Traum? - sich umdreht und den Wecken,
Mir zukehrt, diesen hurenbübisch kecken,
Dies Götterbild, was meinen Wämpling reizt,
Daß er sich wie in Schraubgelüsten spreizt,
Und dann, wenn Rücken sich an Rücken drängt,
Sich wie ein Pumpenschwengel hebt und senkt,
Auf.. ab.. sich hebt.. sich senkt.. ohne Verdruß -

Bin ich dann glücklich? - Totus in benigno positus.

1891
Übersetzung von Curt Morek und Hans Schiebelhuth (1920)

Man schläft nicht gut ...


Man schläft nicht gut mit ihm, - jedoch es macht mir Spaß,
daß ich ihn hab`, daß er mein stolzes Opfer, daß
er diesen schönsten Schlaf gesellig mir versüßt,
den niemals man - gottlob! - mit üblen Folgen büßt.
Wenn Brust an Brust wir ruhn, und er so nah, daß ich
fast glaube, er hat Lust und kommt und vögelt mich,
mir rückt, und an mein Bein sein dicker Schwengel rührt,
und mein erregter Bauch ihn bebend auf sich spürt; -
wenn er sich dreht und - sei`s nur, weil er lustig träumt, -
die feiste Semmel mir des Arschs entgegenbäumt,
und dieser Arsch so bös. so bübisch, borstig, barsch,
dies Herzblatt, dies Juwel, dies Götterbild von Arsch
in meinen Bauch sich wühlt, verführerisch mir lacht
und geil mich, wie ein Bock, wie ein Tenor mich macht; -
wenn ich mich dreh`, und, wie ein Schraubstock, mich sein Loch
zu packen droht; - wenn wir uns beide endlich noch
die Rücken drehn, und Arsch an Arsch sich reckend zwängt,
und sich mein Schwanz vor Glück hebt, senkt und hebt und senkt
ohn` Ende hebt und senkt, - - - sagt, ob nicht ganz ich muß
beglückt sein?! - - - Totus in benigno positus.

1891
Übersetzung von H.A. (1907)


Die Gedichtsammlung "Hombres" erschien nach Verlaines (und Rimbeauds) Tod 1903 anonym. Verlaines Manuskript datiert von 1891, Rimbeauds Todesjahr. Die obigen Auszüge aus der zweisprachigen deutschen Ausgabe von 1920 wurden zitiert aus:

Paul Verlaine: Männer Hombres
Nachdruck der (zweisprachigen) Ausgabe von 1920
mit einem Anhang sowie einem Beitrag von Wolfram Setz

Verlag Rosa Winkel, Berlin
ISBN 3-921495-63-6
Erhältlich in jeder guten schwulen Buchhandlung)!


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